Sonntag, 29. September 2013

CD-Review: Kids in Glass Houses - Peace


Info
Bandname: Kids In Glass Houses
Albumname: Peace
Musikrichtung: Pop-Punk
Erscheinungsjahr: 2013
Label: Transmission Recordings
Herkunft: Wales
Facebook: www.facebook.com/kidsinglasshouses

KIDS IN GLASS HOUSES gehören zwar nicht erst seit In Gold Blood zu meinen Lieblingsbands, hatten mit jenem Album allerdings ihr Standing in meiner Top 5 ganz schön verfestigt. Jetzt folgt mit Peace das mittlerweile vierte Album der fünf Jungs aus Cardiff. Doch kann es die Überraschung, die In Gold Blood mit seiner unglaublich rockig-rotzigen Attitüde darstellte, toppen? Eine Frage, die ich mir auch während der Hörphase von Peace mehrmals gestellt habe.

Schon beim Opener und Titeltrack fühle ich mich in Zeiten der DIRT zurückversetzt. Poppig, ein wenig punkig, dabei jedoch keineswegs schlecht. Der typische Pop-Punk von Smart Casual und Dirt eben. Der Refrain lädt zum Mitsingen ein und ist damit bestens für (zumindest britische) Radiosender geeignet. Trotzdem lässt mich der Song mit einigermaßen fragendem Blick zurück. Mit „Drive“ wird es noch poppiger. Synthie-Effekte im Hintergrund machen das ebenso deutlich wie der erneute Mitsing-Refrain. Die Nummer hat definitiv Pop-Hit-Potential, lässt mich als In Gold Blood-Fan jedoch sehr fragend zurück, obwohl ich die Coolness des Refrains nicht abstreiten kann.

Ähnlich geht es mir bei „Set My Body Free“. Hier verschlägt es mir am Anfang doch etwas die Sprache. Ist das doch die neue Scheibe von Katy Perry? Ein Schlagzeug, das klingt als wäre es mit dem Computer programmiert, haufenweise Synthesizer und diesmal kaum wahrnehmbare Gitarren. In welche Richtung geht das Album? Soll hier einer Band, die eindeutig ins rockigere Genre gehört, die Pop-Maske aufgesetzt werden? Erneut ist der Song jedoch mehr als nur radiotauglich, aber für Fans der ersten Stunde höchstwahrscheinlich eine ähnliche kleine Enttäuschung wie die ersten beiden. Bei „V-I-People“ höre ich dann doch das erste Mal die üblichen KiGH-Klänge. Treibender Rhythmus, ein absolut cooler Chorus und natürlich endlich wieder – GITARREN. Mein absoluter Liebling (und damit NRR-Hörtipp) des Albums! Hoffentlich geht es jetzt endlich los mit dem Rock-Sound.

Nein. Tut es nicht. Es wird nämlich wieder poppig. „Novocaine“ schlägt in die selbe Kerbe wie die ersten drei Songs und könnte für mich ohne Abstriche auch auf der Dirt Platz finden. So richtig weiß ich nicht, was ich mit der Nummer anfangen soll. „Storm Chasers“ ist der erste ruhige Titel der Platte und nimmt wieder altgewohnte Pop-Punk-Mittel wie in Songs a lá „Youngblood“ zur Hilfe.

„The Runaways“ ist für mich der nächste Hörtipp, da er für mich sogar einen kleinen Smart Casual-Touch hat. Ebenfalls sehr poppig, ein wenig punkig, aber eben auch mit einigem Drive, der einem das Kopfnicken dann doch sehr einfach macht. Das Ganze ändert sich auch mit „Up All Night“ nicht, obwohl die (auf gar keinen Fall schlechten) Erinnerungen an Dirt jetzt endgültig geweckt sind.

Die versiegen auch bei „Black Cloud“ nicht mehr. Der Song erinnert mich stark an Nummern wie „Matters At All“ oder „Maybe Tomorrow“ und gehört damit auch eher in die poppigere Sparte der Band. Mit „Nightcrawler“ bekommt das Album dann noch eine zweite Ballade, mit der es dann auch ausklingen darf. Der Song bildet zwar irgendwo einen guten Abschluss, aber mit dem ein oder anderen Rocksong vorher, wäre er höchstwahrscheinlich noch besser gekommen.

Fazit: Puh. Schwierig. Zwar hatte ich mir nach In Gold Blood eine Scheibe gewünscht, die ähnlich rockig vorangeht, allerdings weiß ich auch, wo die Jungs musikalisch zu Hause sind. Der Pop-Punk war für ein Album tot, aber KIDS IN GLASS HOUSES konnten wohl nicht anders, als ihn wiederzubeleben. Obwohl ich über die ersten drei Songs doch etwas erstaunt war, muss ich sagen, dass es sich bei Peace doch um ein recht ordentliches Album handelt, auch wenn es meiner Ansicht noch viel mehr Luft nach oben gäbe. Interessant wird es definitiv werden, diese Songs live zu sehen, denn alles in allem sind die fünf Waliser immer noch eines – eine absolute Live-Band, die es sich lohnt zu sehen.

Hörtipps: „V-I-People“, „The Runaways“, und zum sofortigen Anhören auch „Drive“ (siehe Video)



Bewertung: 7 von 10 Punkten

Tracklist:
1. Peace
2. Drive
3. Set My Body Free
4. V-I-People
5. Novocaine
6. Storm Chasers
7. The Runaways
8. Up All Night
9. Black Cloud
10. Nightcrawler

Besetzung:
Vocals: Aled Phillips
Guitars: Joel Fisher
Guitars: Iain Mahanty
Bass: Andrew Shay
Drums: Philip Jenkins

Dienstag, 17. September 2013

LP-Review: Purson – The Circle And The Blue Door


Info
Bandname:  Purson
Albumname: The Circle And The Blue Door
Musikrichtung:  Psychedelic / Retro Rock
Erscheinungsjahr:  2013
Label:  Rise Above Records
Herkunft:  England
Facebook:  www.facebook.com/pursontheband

Das Debüt der Newcomer PURSON entpuppt sich als musikalische Zeitmaschine und katapultiert den Hörer in die zweite Hälfte der 1960er Jahre. Wer mit Bands wie COVEN etwas anfangen kann, zudem eine Affinität für BEATLES-Versatzstücke hat, psychedelische Klänge mag und auch kleineren Folkausflügen nicht abgeneigt ist, wird mit The Circle And The Blue Door bestens bedient. Bei aller soundtechnischen Authentizität bekommt man zusätzlich noch eine kraftvolle und sogleich warme Frauenstimme geboten. Wem bisher die Ohren angesichts dieser Verheißung noch nicht vor Vorfreude zucken, der kann sich das Lesen des Reviews ebenso gut schenken. Für alle anderen heißt es nun: Vorhang auf und hereinspaziert!

Im ersten Moment steigt man erstmal etwas benommen aus der Zeitkapsel. Der Opener „Wake up sleepy head“ gestaltet sich mit Akustikgitarre leicht folkig und wird mit Mellotron-Schwaden durchzogen. Die sanfte Stimme Rosalie Cunninghams tut ihr Übriges. Ein entspannter kleiner Song, der einem die Möglichkeit zur groben Orientierung gibt.

Da nun die Sinne wieder geschärft sind, kommt es zum nahtlosen Übergang zu „The contract“. Ein hypnotisch pulsierender Bass bildet die rote Linie an der man durch das Stück geführt wird. Im Hintergrund sorgen die betörenden Mellotron-Klangfarben für die nötige Untermalung. Wohldosiert werden Akustikgitarren eingestreut bevor es im Refrain etwas lebhafter zugeht. Als fesselndes Element agiert neben dem prägnanten Bass die fabelhafte Stimme.

„Spiderwood farm“ eröffnet mit wirbelnden Drums und knarrzigem Bass, während im Hintergrund die Orgel anschwelt und sich Wah-Wah-getränkte Gitarren der Gruppe anschließen. Treibende Passagen wechseln sich mit ruhigen ab. Tanzbar ist das aber allemal, da flattert die Schlaghose.

Jahrmarktklänge, Wasser und Möwengeschrei sind die Einleitung zu „Sailor’s wife lament“. Verträumt im ¾-Takt geht es schwebend durch das Stück. Der Gesang ist erneut sehr packend und betörend. Das Mellotron gibt feine Nuancen zur Rezeptur und der dominante Bass passt ebenso perfekt ins Bild. Hier kann man sich zurücklehnen und verzaubern lassen. Feine Sache!

Flott und rockig fällt dagegen „Leaning on a bear“ aus. Eine eingängige Nummer, die ohne Umwege zündet und wohl nicht zuletzt deswegen als Vorab-Single erwählt wurde. Melodieführendes Element ist hierbei ganz klar die Orgel. Das Schlagzeug rumpelt herrlich lebhaft und bietet den nötigen Schwung. Dieser Song fegt den Staub von der Tanzfläche, ganz klar!

Wer bisher die Lavalampe noch nicht angeknipst hat, sollte es spätesten zu „Tempest and the tide“ tun. Einer der Sorte Songs, in dessen Atmosphäre man sich verlieren kann, wenn man nicht aufpasst. (Zu dieser Art gehört für mich zum Beispiel auch „2000 light years from home“ von den ROLLING STONES.) Wunderbar verträumt und gefühlvoll arrangiert, mit Tiefe und dichten sphärischen Klangebenen. Der elfenartige Gesang und die Mellotron-Schwaden führen unweigerlich in eine andere Welt. Die Melodien lassen einen nicht so schnell wieder los. Großartig und doch irgendwie wieder viel zu schnell vorbei!

Nachdem beim Umdrehen der Platte der Kreislauf wieder in Schwung gekommen ist, passt die rockige Ausrichtung von „Mavericks and mystics“ bestens. Ein Song vom Schlage „Leaning on a bear“. Röhrende Gitarren und stampfender Beat formen sich zu einem mitreißenden Song. Geradlinig und direkt!

Packender hypnotischer Bass und die betörende Stimme wickeln den Hörer ein und das Mellotron zieht majestätisch im Hintergrund seine Kreise. Dazu gibt es noch einen ohrwurmlastigen Refrain. Sphärische Ausbrüche sowie ein schimmernder und flimmernder Gesamtsound runden „Well spoiled machine“ vollends ab. PURSON erschaffen auch bei diesem Song eine wunderbare komplexe Atmosphäre. Top!

Schwammige Gitarren legen bei „Sapphire ward“ vor und treiben diese Rocknummer voran. Über allem schwebt die sphärische Klangwolke der Tasteninstrumente. Verträumt und ergreifend wird dagegen der Refrain präsentiert und hallt weit über das Ende des Songs hinaus. Getragen wird ein Großteil des Stückes durch die berührende stimmliche Darbietung. Man lässt es sich zudem nicht nehmen, die Gitarre im Wah-Wah-Matsch geradezu zu ersticken.

Schimmernde Klänge im Walzertakt und man befindet sich mitten im Geschehen zu „Rocking horse“. Einmal mehr agiert man verträumt atmosphärisch und eingängig. Im Klanggebilde finden sich erneut Anklänge an späte BEATLES. Schon das ganze Album über haben PURSON ein gutes Gespür für authentische Stimmungen.

Einen weiteren Beweis dafür liefert „Tragic catastrophe“. Ein letztes Mal werden musikalische Traumwelten betreten, die hin und wieder durch beschwingt packende Abschnitte durchbrochen werden. Zum unbeschwerten Mitträllern lädt der Refrain ein und überzeugt mit hohem Widererkennungswert. Lediglich die La-La-La-Passagen im weiteren Verlauf hätte man sich schenken können. Zum Schluss schleppt sich das Stück sehr gleichförmig dahin, erhält aber seine interessanten Momente durch die Akzente, welche durch das Schlagzeug gesetzt werden.

Fazit:
Was für ein Einstand! Dieses Album ist wunderbar gelungen und begeistert. Egal ob man nun entspannt Relaxen oder ordentlich abzappeln will, es ist für jede Gelegenheit der passende Song dabei.
Zwar ist der Sound stellenweise etwas muffig und angestaubt, aber das macht es am Ende umso authentischer.
Besonders lobend erwähnen möchte ich auch noch mal den Gesang, denn fernab der wunderbaren Klangfarbe der Stimme, gefällt mir insbesondere die Darbietung der Gesangslinien. Diese fallen sehr interessant aus und sind kein gewohnter Einheitsbrei.
Es bleibt also nur zu hoffen, dass PURSON keine Eintagsfliege ist und uns somit auch zukünftig derart bezaubernde Alben in Aussicht gestellt werden können.

Hörtipps: „Sailor’s wife lament”, „Leaning on a bear“,„Tempest & the tide”, „Well spoiled machine”, „Sapphire ward”

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Tracklist:
01.Wake up sleepy head
02.The contract
03.Spiderwood farm
04.Sailor’s wife lament
05.Leaning on a bear
06.Tempest & the tide
07.Mavericks & mystics
08.Well spoiled machine
09.Sapphire ward
10.Rocking horse
11.Tragic catastrophe

Besetzung:
Rosalie Cunningham – Vocals, Guitars, Mellotron, Organ, Wurlitzer, Percussion
Ed Turner – Bass, Acoustic Guitar
Raphael Mura – Drums
William Cunningham – Saxophone, Jester duty

Für die Freunde der physischen Tonträger:
Natürlich ist das PURSON Debüt auch auf CD erschienen und da es sich beim Label um „Rise Above Records“ handelt dürfte auch schnell klar sein, dass es vermutlich im Laufe der Zeit alle erdenklichen Farben, Farbnuancen, Farbmischungen und was auch immer das menschliche Auge wahrnimmt, als Vinyl-Pressung erscheint.
Momentan gibt es Black Vinyl [400 lim], Red Vinyl [300 lim] und Gold Vinyl [300 lim].
Mittlerweile vergriffen dürften die Die-Hard-Editions sein (milky clear vinyl [100 lim], solid purple vinyl [200 lim] und black vinyl [100 lim]). Diese beinhalten zusätzlich zu den erstgenannten Pressungen zusätzlich ein Die-cut keyhole shaped slipcase, A2 poster, und Embroidered patch.

Sonntag, 15. September 2013

LP-Review: Lingua Mortis Orchestra feat. Rage – LMO

Info
Bandname:  Lingua Mortis Orchestra feat. Rage
Albumname:  LMO
Musikrichtung:  Symphonic Metal
Erscheinungsjahr:  2013
Label:  Nuclear Blast
Herkunft:  Deutschland
Facebook:  de-de.facebook.com/Linguamortisorchestra
Website:  www.rage-on.de/lmo.html

Orchester trifft Metal-Band lautet heute die Überschrift zum Review. Im Speziellen geht es um RAGE, die sich vor ein paar Jahren dazu entschlossen, ihre Bombast-Ausflüge nun unter separatem Banner zu veröffentlichen. Das erste Ergebnis hierzu liegt nun vor und hört auf den Namen LMO. Wie immer im Vorfeld solcher Veröffentlichungen geht mal wieder die Diskussion los, wer denn eigentlich mit dieser Symbiose als Erstes um die Ecke kam. Fakt ist, Lars Ulrichs Gelddruckmaschine dürfte seinerzeit den größten Profit mit wenig Aufwand aus der Sache gezogen haben. Von RAGE bekommt man keine halben Sachen vorgesetzt, somit dürfte klar sein, dass bei diesem Album mehr drin steckt als lieblos mit Streichern ergänzte Hits aus alten Tagen. Denn alle Stücke sind eigens für Orchester und Band komponiert worden. So wie sich das gehört!
Wer nun angesichts der Bezeichnung LINGUA MORTIS ORCHESTRA feat. RAGE erwartet, dass das Resultat genau so klingt, dem sei vorweg gleich gesagt, eigentlich müsste es genau andersrum benannt werden, denn das dominante Element im Gesamtsound sind RAGE und leider nicht das Orchester. Im Prinzip ähnlich wie man es bereits aus der Vergangenheit kennt, obwohl man dem Orchester stellenweise schon mehr Platz einräumt als auf älteren Veröffentlichungen. Deshalb war ich im ersten Moment leicht enttäuscht, denn ich hatte erwartet, dass man hier noch ein ganzes Stück weitergeht. Aber mit den Erwartungen ist das ja bekanntlich so eine Sache.

Der Opener „Cleansed by fire“ versprüht schon mal eine unheilvolle Atmosphäre. Der Spannungsbogen steigt und steigt mit Chören und Streichern bis letztlich die ganze Band losbricht. Gewohnter Sound, gewohnte Melodieführung. Erste Neuerung ist der Sopran von Dana Harnge, welcher diesem Stück sehr gut steht. Der Refrain kommt sehr wuchtig rüber und das Orchester hat das Zepter fest in der Hand. Die immer wiederkehrenden Chöre gefallen mir auch sehr gut. Sobald die Wucht etwas nachlässt wird sofort der Spannungsbogen wieder enger gezogen. Im Mittelteil, der sich als Instrumentalstück darstellt, dominieren RAGE jedoch das Feld. Victor Smolski brilliert natürlich wie gewohnt, aber das stand ja auch noch nie zur Debatte. Eine sichere Bank, auf die man sich zu Recht verlassen kann, sozusagen. Dieser Song überzeugt mich voll und ganz. Er ist packend und versprüht viel Dynamik. Ebenso ist das Verhältnis Band – Orchester herrlich ausgewogen. So in etwa hatte ich mir das vorgestellt.

Druckvoll prescht im Anschluss „Scapegoat“ hervor. Obwohl hier das Orchester häufig aufspielt, ist das Stück im Endeffekt doch eher eine klassische Metal-Nummer mit Orchesterbegleitung. Zudem hat man mit Hennig Basse noch einen Gastsänger auf Lager, der zwar ganz gut ins Bild passt, aber angesichts Peavy’s charismatischer Stimme eigentlich nicht notwendig ist. Dieser Song hätte auch ohne Orchester auf einer regulären RAGE-Scheibe Platz gefunden. Im Solo zaubert Victor noch ein paar satte Arpeggios aufs Griffbrett, feine Sache. Zuletzt walzt man den nicht allzu prallen Refrain noch mal etwas aus. War jetzt nicht ganz so überzeugend wie das erste Stück.

Dass RAGE bei ihren Veröffentlichungen einen recht modernen und digitalen Sound fahren, ist keine Neuigkeit, man hat sich wohl oder übel auf Grund der großen Klasse des Trios dran gewöhnt, aber gerade bei diesem Projekt hatte ich auf mehr authentische Klangkost gehofft. Das Schlagzeug hört sich gerade bei „The devil’s pride“ viel zu künstlich an, für meinen Geschmack. Der Sopran kommt noch mal gut zur Geltung und auch zusätzlicher weiblicher Klargesang ergänzt bei diesem Song das Klangspektrum. Obwohl mir die Stimme von Jeannette Marchewka nicht sonderlich zusagt, kann man sie durchgehen lassen, aber ist mir zu gewöhnlich. Über weite Strecken des Songs dominieren wieder RAGE die Kanäle. Mal mit gehörigem Druck, dann wieder etwas melodieverliebter. Auch das Stück kann dem Opener nicht das Wasser reichen, lässt sich aber dennoch ganz gut genießen.

Etwas anders sieht das jetzt bei „Lament“ aus. Eine sehr schmalzige Ballade, die es sich in meinen Ohren etwas schwer macht, Halt zu finden. Was neben dem verkitschten Refrain vor allem am schmachtenden Gesang von Jeannette Marchewka liegt. Das geht mir dann doch etwas zu weit. Jetzt stellt sich die Frage: absitzen oder doch aufstehen und die Nadel zum nächsten Stück übersetzen?

Als Nächstes wartet ein kleines Zwischenspiel namens „Oremus“. Victor schießt dabei die Gitarre mit viel Gefühl in die Stratosphäre. Das ist eher atmosphärisch und soll das Kopfkino anregen bevor es mit „Witches’ judge“ wieder amtlich weitergeht.

Die Riffs drücken und das Orchester schiebt noch zusätzlich im Hintergrund. Das groovt wie Hölle! Dann übernehmen RAGE wieder und legen noch etwas Tempo zu. Das Stück ist sehr wechselhaft gebaut und reißt einen mit. Leider kommt mir auch hier das Orchester etwas zu kurz. Die Hauptrolle spielen ganz klar RAGE. Gefällt mir aber trotzdem sehr gut. Sicher ein Garant für grandiose energiegeladene Konzertstimmung. Alles in allem aber dennoch eher ein klassischer Metal-Song.

Aufschlag Orchester. Wieder ausgewogener tönt „Eye for an eye“. Ich kann mir nicht helfen, aber der Refrain klingt eher irgendwie nach GRAVE DIGGER. Zudem ist er auch nicht sonderlich originell und wird etwas überstrapaziert. Gut passt sich erneut der Sopran ein. (Finde ich im Zusammenspiel mit Peavy’s Organ sehr gelungen) Zwischenzeitlich bekommt das Orchester etwas mehr Raum und Victor setzt wieder zu grandiosen Griffbrettabenteuern an. Unterm Strich hat das Stück zwar durchaus seine Momente, aber der Funke, der den Flächenbrand auslöst, ist es trotzdem nicht.

Zum Abschluss wird es noch mal etwas schmalzig. Ein refrainlastiges Stück mit einem weiteren gewöhnungsbedürftigen Duett. Geht zwar stark an meine Schmerzgrenze, aber nervt nicht so wie „Lament“. Was war denn da nur los? Etwas versöhnlich stimmt mich der herrlich angeproggte Part in der zweiten Hälfte, bevor er gnadenlos vom Refrain ausgelöscht wird. Schade eigentlich!

Als Bonustracks warten nun noch zwei alte Stück vom Welcome To The Other Side Album. Die ursprünglichen Spuren wurden durchs Orchester ergänzt, mehr passiert da aber auch nicht. Geht jedoch als Bonustrack völlig in Ordnung.

Fazit:
Wer die bisherigen RAGE meets Orchester-Ausflüge mochte, wird auch an LMO seine Freude haben. Ich persönlich hätte mir mehr Orchesterlastigkeit gewünscht und auch mehr Kompositionen, die etwas weiter vom Metal-Song entfernt sind. Nichtsdestotrotz kann mich LMO als RAGE-Begeisterten durchaus überzeugen, auch wenn ich nicht alle Songs gelungen finde, so hat das Album einen gewissen Reiz und vielleicht ist es nur ein Auftakt zu noch größeren ausufernden Bombast-Werken. Wünschen würde ich es mir, aber dann bitte in einer etwas organischeren Produktion und ausgewogenem Mix.
Mich würde ja im direkten Vergleich das Orchester-Album von BLIND GUARDIAN interessieren, aber da ist wohl vorerst weiter Geduld angesagt.

Hörtipps: „Cleansed by fire”, Witches’ judge“

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Tracklist:
01.Cleansed by fire
02.Scapegoat
03.The devil’s bride
04.Lament
05.Oremus
06.Witches’ judge
07.Eye for an eye
08.Afterglow
09.Straight to hell [Orchestra version] (Bonustrack)
10.One more time [Orchestra version] (Bonustrack)

Besetzung:
Peavy Wagner – Vocals, Bass
Victor Smolski – Guitars, Cello, Keyboards, Piano, Sitar
André Hilgers – Drums
Jeannette Marchewka – Vocals
Dana Harnge – Sopran
Symphony Orchestra „Orquestra Barcelona Filharmonia“
Daniel Antoli I Plaza – Conductor

Für die Freunde der physischen Tonträger:
Zusätzlich zur Veröffentlichung auf Vinyl (black vinyl, transparent orange vinyl), gibt es die Standard-CD sowie die CD/DVD-Digibook-Ausgabe.

Donnerstag, 12. September 2013

LP-Review: Jex Thoth – Blood Moon Rise

Info
Bandname:  Jex Thoth
Albumname:  Blood Moon Rise
Musikrichtung:  Doom / Psychedelic Rock
Erscheinungsjahr:  2013
Label:  I Hate Records
Herkunft:  USA
Facebook:  de-de.facebook.com/pages/Jex-Thoth-Official/360347127314661
Website:  www.jexthoth.net

Viel verraten JEX THOTH nicht über sich, man muss die Infos zur Band schon mehr oder weniger mit der Lupe suchen. Dafür spricht die Musik eine sehr eindeutige Sprache und das ist ja im Prinzip auch das, worauf es ankommt.
Bisher hat die Band um Frontfrau Jex ein Album und zwei EP’s veröffentlicht und sich damit schon eine gute Reputation erspielt. Bestens geeignet, den Namen weiter hinaus in die Welt zu tragen, ist auch ihr aktuelles Werk Blood Moon Rise.
Bei mir rotiert die Langrille schon eine ganze Weile auf dem Plattenspieler und es war längst eine Rezension überfällig. Also halte ich die Vorrede kurz und kümmere mich ums Wesentliche.

Unheilvoll verkündet „To bury“ den monoton stampfenden Albumeinstieg. Der finstere Prolog wird allein durch die elfenhafte Stimme erhellt und als wirklich wahrgenommen. Im Hintergrund entfalten sich kleine psychedelische Klangelemente und ein knarrendes Cello in der klirrend bedrohlichen Atmosphäre. Da ist man bestens eingestimmt.

Schon wesentlich liedhafter mit rotzig bleischweren Gitarren bricht „The places you walk“ aus dem Nichts hervor. Die eigenständigen Gesangsmelodien packen unweigerlich zu und halten einen fest in der Umklammerung. Verfeinert wird das geradlinige Stück mit kleinen prägnanten Licks und sphärischen Keyboardpassagen.

Das Wetter schlägt um und man sieht sich mit einer bedrohlichen Klangwolke konfrontiert. Unablässig hämmert sich der Anfang in die Ohrmuschel und erst als die Stimme einsetzt, schimmern erste Strahlen durch das Dunkel. Zähfließend ergießt sich der weitere Verlauf von „The divide“. Auch wenn der Vergleich mehr als hinkt, so erinnert mich die Gesangsdarbietung von Jex doch sehr an den einzigartigen Ian Anderson. Sie bedient sich ebenso einer eigenwilligen Gesangsweise, die mich sehr anspricht und sich zudem prima vom Einheits-Sing-Sang abgrenzt. Die Orgel schwelt im Hintergrund und nachdem die schwarze Klangwand zwischenzeitlich wieder deutlich zugezogen wirkt, schiebt sich ein verstörend klingendes Cello durch die scheinbar undurchdringliche Masse. Die Stimmung, die dieses Stück versprüht, ist einfach fesselnd, um nicht zu sagen magisch. Die Töne und Klanggebilde haben genügend Raum sich vollends entfalten zu können, typisch Doom eben.

Plötzlich erstrahlen versöhnlich warme Klänge und man hat den Eindruck, eine gemütliche und doch geheimnisvolle Klanghöhle zu betreten. Hier und da ein zarter Lichtschein, weicher Nebel zieht draußen vorbei und man bahnt sich langsamen Schrittes seinen weiteren Weg hinein „Into the sleep“. Die bezaubernde warme Stimme nimmt einen bei der Hand und geleitet weiter durch den Song, vorbei an funkelnden Keyboard- und Synthie-Elementen bis hin zum verträumten Gitarrensolo. Diese Atmosphäre fühlt sich so echt an, wunderbar umgesetzt. Das könnte von mir aus ewig so weiter gehen.

Doch schon hat man den Wohlfühlort wieder verlassen und das kleine instrumentale Zwischenspiel „And the river ran dry“ führt mit feinen unverzerrten Gitarrenklängen direkt zu „Keep your weeds“.

Dieser Song lebt wieder vom wunderbaren Gesang mit raffinierter Darbietung und starken Hooks. Minimalistische Akkorde und ein dröhnender Sound verschmelzen zu einem enorm suchtgefährdenden Gemisch. Weniger ausufernd, eher liedhaft aber deswegen nicht minder betörend. Das Arrangement ist so grandios, die Soli und Klangfarben so perfekt abgestimmt, dass man ständig an der Schwelle zur Hypnose steht. Im Augenblick des Fallens wird man im letzten Moment von der Stimme zurückgeholt oder doch nicht?

Spätestens als der Plattenspieler so herzlos ist und der Genuss dadurch gestört wird, dass nun die erste Seite rum ist, steht man leider wieder mit beiden Beinen in der Realität.

Dröhnend knarzig startet die zweite Seite mit dem kauzigen Titel „Ehjä“. Innerhalb weniger Töne wird man zurückkatapultiert in die Welt von Blood Moon Rise. Mit unvergleichlicher Eleganz schleppt sich das Stück dahin. Die Klangebenen schwellen und verweben sich untrennbar zu einer Einheit. Zwischenzeitlich lösen sich die Gitarren und winden sich im Einklang. Der Untergrund scheint sich zu öffnen, als wolle das heiße Magma des Klangbodens quellend hervorbrechen. Die Grenzen zur Dissonanz werden geschmackvoll überquert und sphärische Keyboards sinken in Zeitlupe auf das Geschehen herab. Alles wirkt harmonisch bevor eine bizarre Klangcollage das Ganze überdeckt und erstickt.

Bleischwere Riffs und schwer stampfendes Schlagzeug türmen sich auf und bilden den Beginn zu „The four of us are dying“. Schon nach wenigen Takten ist klar, dass hier wieder ein fieser Brocken bezwungen werden will. Aber ein weiteres Mal kommt einem die fabelhafte Stimme von Jex zu Hilfe. Trotzdem ein Stück, das im ersten Moment etwas sperrig rüberkommt und sicher den ein oder anderen Durchlauf brauchen wird.

Akustikgitarre, Cello und elfenhaften mehrstimmigen Gesang mit hinreißender Melodieführung bietet „Psyar“. Die Stimmung ist düster aber nicht so bleischwer wie die der Vorgänger. Das Tempo und die Rhythmik wären eigentlich zum Schunkeln bestens geeignet, aber die Ästhetik des Stückes verbietet dies natürlich gänzlich. Auch diese Atmosphäre ist nicht von dieser Welt. Ich höre so gebannt, dass ich nicht einmal blinzle. Als dann später noch das Gitarrensolo hereinbricht, hebt man noch mal richtig tief ab in die betörenden Klangwelttiefen von Blood Moon Rise. Das sind so Momente, die ich am Liebsten in einer Endlosschleife auskosten möchte. Hier ist das Gefühl und Gespür für die treffende Stimmung das Entscheidende und nicht technische Raffinesse, schlicht bezaubernd. Weniger schön ist der plötzliche unvermittelte Schluss, aber man hat ja zum Glück die Option, das Album noch mal aufzulegen und genau das werde ich sofort tun.  

Fazit:
Ein wunderbar fesselndes Album, das in Ruhe genossen werden möchte und auch sollte. Angesiedelt irgendwo an der Schnittstelle von Doom und Psychedelic Rock, für Nebenbei ist das nichts.
Mir persönlich gefällt es besser als das Debüt. Dieses fiel doch eine ganze Ecke kantiger und kauziger aus, was ja an sich nichts Schlechtes sein muss. Aber im direkten Vergleich wirkt Blood Moon Rise ausgewogener und homogener, was nicht bedeutet, dass es in irgendeiner Form gefällig wäre.
Neben der tadellosen Umsetzung und klanglichen Veredelung sei an der Stelle noch mal der unverkennbare einzigartige Gesang erwähnt. Der weiß zu jeder Zeit zu gefallen und überzeugt mit Eigenständigkeit.
Ein Album was man wunderbar am Stück erleben kann und was mit Sicherheit so schnell keine Abnutzungserscheinungen aufweisen wird. In seiner Vielschichtigkeit verbergen sich unzählige Details, die mal mehr mal weniger hervortreten. Schlicht gesagt, das ist Musik für beide Ohren.

Hörtipps: „The divide”, „Into a sleep“, „Keep your weeds“, „Psyar“

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Tracklist:
01.To bury
02.The places you walk
03.The divide
04.Into a sleep
05.And the river ran dry
06.Keep your weeds
07.Ehjä
08.The four of us are dying
09.Psyar

Besetzung:
Jex – Vocals/keys
Danny Gonzales – Bass
Matt Jacobs – Guitar
Nick Ray Johnson – Drums
Brandon Newhouse – Guitar

Für die Freunde der physischen Tonträger:
Neben der Vinyl-Ausgabe ist Blood Moon Rise auch auf CD erschienen.

Montag, 9. September 2013

CD-Review: Ashes Of Ares – Ashes Of Ares

Info
Bandname:  Ashes Of Ares
Albumname:  Ashes Of Ares
Musikrichtung:  Heavy Metal  
Erscheinungsjahr:  2013
Label:  Nuclear Blast
Herkunft:  USA
Facebook:  de-de.facebook.com/AshesOfAres
Website:  www.ashesofares.com

Was passiert, wenn man ICED EARTH und NEVERMORE mischt? Zwar liegt die Antwort mit ASHES OF ARES nahe, aber so richtig haut das trotzdem nicht hin. Ich möchte sogar so weit gehen und behaupten, dass besagte neue Band um Matthew Barlow und Van Williams ihre Anhängerschaft eher aus der Riege der ICED EARTH-Jünger rekrutieren wird. Zum einen dürften diese arg ausgehungert sein, da die letzten Alben der Band sehr stark enttäuschten und über weite Strecken einfach vertonte Langweile waren, zum anderen war es Barlow, der auf den Großtaten glänzte.
Am Ende war es Schaffers-Ideenlosigkeit, die die Band ins Mittelmaß stürzte und die sich nun mit Stu Block den dafür passenden Mann ans Mikro geholt hat. Ich persönlich erwarte aus diesem Lager nichts mehr, umso mehr war ich erfreut, dass sich Matt Barlow dazu entschloss wieder richtig bandmäßig aktiv zu werden.
Das Resultat dieser Entscheidung liegt nun mit dem gleichnamigen Debüt von ASHES OF ARES vor.

Schon nach den ersten zarten moderaten Klängen und einsetzendem Gesang schaltet mein Hirn unweigerlich in den ICED EARTH-Modus, so sehr ich mich auch dagegen wehre. Wenige Takte später peitscht das Schlagzeug eine gehörige Portion Druck in den Opener „The Messenger“. Insgesamt gefällt mir das klinische Klangbild nicht besonders. Die Gitarren dürften ihre Verzerrung ausschließlich im Rechner erhalten haben und das Schlagzeug tönt leider auch sehr steril - besonders die klappernde Bassdrum. Keine Frage, der Song lebt von der Stimmgewalt Barlows. Es gibt sicher Bessere, aber so zum warm werden geht der allerdings voll in Ordnung. Ein direkter und solider Mid-Tempo-Banger.

„Move the chains“ scheint sogleich das Motto des nächsten Songs zu sein. Denn die Nummer nimmt gehörig Fahrt auf. Ein äußerst lebhaft und packend gestaltetes Stück metallischer Liedkunst. Zwar brennt es mir das ICED EARTH-Logo noch tiefer in mein Assoziationszentrum im Hirn, aber da muss ich nun durch. Van Williams setzt trotz des produktionstechnischen Fehltritts im Klanggewand des Schlagzeugs gewaltig Akzente. Gefällt mir sehr gut und wäre der bessere Albumeinstieg gewesen. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie Jon Schaffers Auge nervös anfängt zu zucken angesichts dieses Krachers.

Balladeskes Gezupfe und eine emotional aufgeladene, hingebungsvolle Schmachtstimme warten auf den gänsehautanfälligen Hörer, bevor sich die ganze Sache immer wuchtiger auswächst. Man wird hier regelrecht von Stimmungsschwankungen durchgerüttelt, dieser Song ist alles andere als langweilig. Natürlich gibt es unterm Strich derlei Kompositionen zu Hauf, aber dennoch kann „On warrior’s wings“ überzeugen, nicht zu Letzt erneut durch die Akteure Barlow und Williams.

Beschwörende Atmosphäre macht sich in „Punishment“ breit, um im Nachgang von einem walzenden Brett hinweggefegt zu werden. Die Klampfen drücken gewaltig, obwohl hier eine organische Produktion mit Ecken und Kanten wesentlich besser passen würde. Freddie Vidales geht auch bei diesem Song eher rhythmisch orientiert zu Werke. Da die Jungs live aber anscheinend Unterstützung durch einen zweiten Gitarristen erfahren, wäre doch auf der Platte für ein paar mehr Leads und Licks locker Platz gewesen, ohne dass man bei der Konzertdarbietung hätte Kompromisse eingehen müssen.

„This is my hell“ gestaltet man ebenfalls sehr vielschichtig und arbeitet ein weiteres Mal viel mit Dynamik. Eingeleitet durch Akustikgitarren, im weiteren Verlauf ordentlich druckvoll und heavy. Der Refrain braucht nicht viele Durchläufe, um einen am Haken zappeln zu lassen. Trotzdem wäre das alles nur die Hälfte wert, würde nicht diese Ausnahmestimme erklingen.

Im Vorfeld der Veröffentlichung konnte man „Dead man’s plight“ bereits begutachten. Ein drückender Stampfer, der sich qualitativ irgendwo im Mittelfeld einfindet. Das Riffing ist sehr angestaubt und wieder ist es Matt Barlow, der das Ganze über die Ziellinie rettet.

Mit satten Thrash-Riffs bewaffnet und eine ganze Ecke flotter schießt „Chalice of man“ aus den Boxen. Matt keift und faucht zwischendurch beschwörend und bietet zudem großartigen Chorgesang mit Kanonausflügen. Das ist nun wieder ein Brett, das richtig Laune macht. Hierzu würde mich ebenfalls Jon Schaffers vor Neid verzerrtes Gesicht interessieren, vielleicht schäumt er aber auch schon.

Nach dieser wuchtigen Nummer geht es erst mal wieder etwas verhaltener zu. Balladenzeit! Dass Matthew Barlow über die stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten verfügt, einen solchen Song völlig kitschfrei zu veredeln, dürfte niemanden überraschen. Wäre da nur nicht dieses Schema-F-Strickmuster im Songwriting. Schade, da wäre mehr drin gewesen.

Szenenwechsel: hammerhartes Thrash-Riff-Monster. Die Gitarren tönen tief und fett zu „What I am“. Ich will ja eigentlich nicht ständig den Gesang hochloben, aber was hat der Mann nur für eine unsagbar kräftige Stimme?! Da können die Gitarren noch so hart brettern, Matt Barlow hält dem locker stand. Ideenmäßig überschlägt sich das Trio bei diesem Song zwar auch nicht, von der Intensität her dürfte es live aber bestens für Stimmung sorgen.

„The one-eyed king“ lässt die Nackenmuskulatur nicht abkühlen. Gelungen finde ich die Off-Beat-Akzente beim Schlagzeug, das passt prima und peitscht ordentlich. Der Refrain ist nicht sonderlich überragend, aber zu verzeihen. Da das Riffing wieder etwas mager ausfällt, bleibt es an Matthew Barlow und Van Williams hängen, die Nummer rauszureißen.

Als Bonustrack spendiert man dem Konsumenten noch eine Akustikversion von „The answer“. Dabei ist eigentlich nur der Schmachtfaktor etwas höher und die Darbietung weißt logischerweise keine verzerrten Gitarren auf. Aber den Song selber macht es dadurch nicht besser oder schlechter.

Fazit:
Das Album hat durchaus seine Momente und einen Komplettausfall, der einen zum Skippen zwingt, gibt es nicht. Nichtdestotrotz verzeichne ich einige Schwachstellen. Die sterile und synthetische Produktion steht da für mich an erster Stelle. Ebenso sind die Riffs doch stellenweise sehr abgegriffen und einfach zu sehr Standard. Da ist man von der Finesse eines Jeff Loomis sehr weit entfernt, obwohl dieser das Solo zu „Punishment“ als Gast beisteuerte. An vielen Stellen macht das die Energie und Kraft der Stimme von Matt Barlow aber wieder wett. Wer also ebenso wie ich von den letzten Alben der ehemaligen Band Barlows mehr als enttäuscht ist, dem kann ich das Debüt von ASHES OF „Schaffer“…ähm…ARES!! durchaus empfehlen. Man wird sehen was die Zeit bringt und wie sich die Band zukünftig entwickeln wird.

Hörtipps: „Move the chains“, „On warrior’s wings“, „Chalice of man“

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Tracklist:
01.The messenger
02.Move the chains
03.On warrior’s wings
04.Punishment
05.This is my hell
06.Dead man’s plight
07.Chalice of man
08.The answer
09.What I am
10.The one-eyed king
11.The answer [acoustic] (Bonustrack)

Besetzung:
Matt Barlow – Vocals
Van Williams – Drums
Freddie Vidales – Guitars, Bass

Für die Freunde der physischen Tonträger:
Neben der regulären Digipak-CD gibt es die Vinyl-Ausgabe (red vinyl, black vinyl)

Donnerstag, 5. September 2013

LP-Review: Witherscape – The Inheritance


Info
Bandname:  Witherscape
Albumname:  The Inheritance
Musikrichtung:  Progressive Dark Metal
Erscheinungsjahr:  2013
Label:  Century Media
Herkunft:  Schweden
Facebook:  www.facebook.com/witherscape
Website:  www.witherscape.com


Nein, dies ist keine Newcomer-Rezension. Zwar ist The Inheritance das Debütalbum von WITHERSCAPE, jedoch verbirgt sich dahinter kein geringerer als Dan Swanö. Ich erspare mir hier aus Platzgründen den biografischen Abriss, denn wo der Mann schon überall seine Finger im Spiel hatte, sprengt hier bei weitem den Rahmen. Bei was es sich nun beim gemeinsamen Projekt mit Ragnar Widerberg handelt, wird man den folgenden Zeilen entnehmen können.

Ohne Umwege und Vorgeplänkel findet man sich von der ersten Sekunde an mitten im Geschehen von „Mother of the soul“. Gleich zu Beginn präsentiert Dan seine herrlich satten Growls, immer wieder ein Genuss. Aber ebenso wie der Gesang im Erscheinungsbild ständigen Wechseln unterworfen ist - neben den Growls gibt es Klargesang und alles was dazwischen liegt - so gestaltet sich das musikalische Gewand ebenso facettenreich. Eine packende dynamische Reise durch Stimmungen und Emotionen. Freunde der Crimson-Alben von EDGE OF SANITY dürften die Freudentränen bereits in den Augen stehen und das geht völlig in Ordnung. Lasst es einfach raus!

Vielversprechend ertönt der Beginn zu „Astrid falls“. Nach melodischem Einstieg betritt man atmosphärisch verträumtes Terrain. Auch wenn dies zum Verweilen einlädt, so wird man doch schon bald wieder brachial herausgerissen. Dieses Wechselspiel aus balladesken Takten und wuchtigen Brechern zieht sich durch den ganzen Song. Klar, neu ist das nicht, aber dennoch wirksam und zudem gibt es dazwischen allerlei zu entdecken. Mir gefällt’s!

Wollte man fies sein, würde man „Dead for a day“ als potentiellen Singlehit bezeichnen. Zwar beginnt er getragen mit Akustikgitarre und Klagegesang, mausert sich aber mit dem Refrain als eingängige Death ´n´Roll Nummer. Sehr eingängig, ohne anbiedernd zu sein. Es enthält ein wunderbar melodisches Gitarrensolo und auch hier findet man wieder das klassische „Laut-Leise“-Wendungsmuster. Dieses Stück hallt nach, keine Frage.

Ein schönes Kontrastprogramm zum treibenden Charakter des Vorgängerstücks entfaltet sich, zart und instrumentiert und mit hauchendem Gesang, „Dying for the sun“. Wie zu erwarten war, ändert sich das Erscheinungsbild natürlich wieder nach wenigen Takten. Eine vielschichtige Prognummer mit unterschiedlichen Färbungen und treffsicher arrangiert. Es gibt sowohl vordergründig als auch im Hintergrund viele kleine Details zu entdecken, da lohnt sich die Entdeckungsreise unterm Kopfhörer. Sehr gelungen finde ich auch die Passage im Mittelteil des Songs, die in ihrer Gestalt an Edvard Griegs „Hall of the mountain king“ aus der Peer Gynt-Suite erinnert. Die Keyboardsounds gefallen im stilechten Prog-Gewandt, selbst ein Moogsolo bekommt man geboten.

Treibend aber mit stampfendem Unterton prescht „To the calling of blood and dreams“ heran. Gerade die Chöre lassen mich an SYMPHONY X denken, selbst der energische Klargesang treibt diese Assoziation noch weiter voran. Eigentlich unnütz zu erwähnen, dass auch bei diesem Song das Songwriting fernab jeglicher Eindimensionalität stattfindet.

Das Intro zu „The math of the myth“ weist Keyboardklänge auf, die mir persönlich zu sehr synthetisch verklebt sind, da sich diese aber nicht sonderlich ausbreiten, bleibt meine gute Laune ungetrübt. Diesen Ausrutscher kann ich verzeihen. Grenzwertig sind sicher die abgespacten Soundeffekte auf der Stimme in einigen Momenten, aber irgendwie hat das aber auch was für sich. Ein etwas tastendominiertes Stück, aber auch sehr interessant und packend dargeboten.
Herrlich satte Growls klatscht man uns mit „Crawling from validity“ entgegen. Da könnte ich stundenlang zuhören. Ein weiteres vielschichtiges Stück, mit jeder Menge Druck und Energie, schön angeproggt, so etwas hält den Hörer bei der Stange.

Nach seichtem Einstieg zu „The wedlock observation“ dauert es nicht lange und man ist wieder im bewährten Wechselspiel zwischen verträumtem Gefühl und brachialen Ausbrüchen. Zum Ende hin wird es richtig atmosphärisch mit epischen Momenten. Gesanglich glänzt man hier, wie eigentlich auf dem gesamten Album, in allen Facetten. Ein variabler und der jeweiligen Grundstimmung angepasster Gesang ist ebenso wichtig, wie treffsichere und raffinierte Arrangements der Instrumente. Genau das bekommt man von WITHERSCAPE auf ihrem Debüt in jeder noch so kleinen Nuance geboten, da dürften so schnell keine Abnutzungen der Hörfreude auszumachen sein. So direkt und ungeschminkt der Einstieg zum Album war, gestaltet sich auch das Ende, denn „The wedlock observation“ endet unvermittelt und abrupt.

Damit der überraschte Hörer jetzt nicht panisch und mit Schweißperlen auf der Stirn zur Anlage rennt, um schleunigst alle Anschlüsse zu prüfen gibt es noch ein kleines feines Piano-Instrumental zu bestaunen, welches dem Album seinen Namen gab.

Fazit:
Ein rundum gelungenes Debüt das richtig Spaß macht. Durch die abwechslungsreichen und vielschichtigen Songs kommt keine Langeweile auf und mit Sicherheit gibt es auch nach dem 20. Durchlauf genug zu entdecken. Trotz der progressiven Machart enthält es genügend packende Momente, die den interessierten Hörer, der bisher nichts mit der Materie zu tun hatte, dieses Genre näher bringen können. Ein interessantes Werk, das alles andere als eindimensional ausfällt und trotzdem keinen überfordern dürfte. Da bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass WITHERSCAPE keine Eintagsfliege ist, was ja bei Dan Swanö nicht allzu unwahrscheinlich wäre.

Hörtipps: eigentlich alles, lediglich das Titelstück ist nicht direkt repräsentativ

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Tracklist:
01.Mother of the soul
02.Astrid falls
03.Dead for a day
04.Dying for the sun
05.To the calling of blood and dreams
06.The math of the myth
07.Crawling from validity
08.The wedlock observation
09.The inheritance

Besetzung:
Dan Swanö – Clean & Growling vocals, Drums, Keyboards
Ragnar Widerberg – Guitars, Bass

Für die Freunde der physischen Tonträger:
Neben der klassischen CD gibt es natürlich die Vinylausgabe (erhältlich als black vinyl oder transparent blue vinyl), welche aber sehr hörerfreundlich die Compact Disc als Bonus enthält. So kommt dann auch der Vinylfanatiker in den Genuss der 2 Bonustracks, die man nicht mit auf die Langrille gepresst hat.