Mittwoch, 27. Februar 2013

Classic-Review: Danzig - Danzig




Bandname: Danzig
Albumname: Danzig
Musikrichtung: Rock
Erscheinungsjahr: 1988
Label: american
Herkunft: USA
Website: http://www.danzig-verotik.com

Herzlich willkommen zu einem weiteren New Rock Review!
Das heutige Album zählt wieder 25 Lenze und zählt für mich auch zu einem Klassiker, da dieses Album in seiner Produktion und seinem Songwriting wirklich etwas zu bieten hat. Es handelt sich um das Debütalbum des ehemaligen Misfitssängers Glenn Danzig – das Album nennt sich wie die Band - „Danzig.“

Das Album startet mit dem Titel „Twist of Cain“ und ist beim ersten hinhören wirklich nicht gerade das Non-Plus-Ultra, aber nachdem man den Titel einige Male durch laufen lässt, wird erst klar wie viele Details sich im dezent gehaltenem Klangspektrum des Titels verbergen. Der charakteristische Gesang ist natürlich ein Markenzeichen, aber die ehrliche Gitarre ist meiner Meinung nach eines der Haupteigenschaften des damals geformten Danzig-Sounds.

Der Übergang zu „Not Of  This World“ ist kaum hörbar, wenn man das Album nur nebenher plätschern lässt. Aber die Art zu Singen wird etwas leidenschaftlicher und Klampfe sowie das Schlagzeug treiben den Puls hoch, ohne zu matschen. Da kann sich die eine oder andere Band noch eine Scheibe abschneiden – auch nicht zu verachten ist das sehr bluesige Solo und das immer wiederkehrende Riff. Das bleibt schon mit einem Lächeln im Gesicht und einem Enterhaken im Hirn hängen.

Es folgt ein sehr düsteres Riffing – „She Rides“. Wow, da hat jemand den Blues aus einem Sangriaeimer gesoffen und einen schön groovigen Song gebastelt, der einfach nur fesselt. Eine klasse Low-Tempo-Nummer mit, für mein Empfinden, perfekt abgestimmten Klanggefüge aus Gitarrenriffing, Schlagzeuggepolter, Hauptgesang und dem unscheinbaren „Oooooohhooooohhhh“-Backgroundgesang. Es folgt ein Song der zwar gesanglich keine Abstriche zum Vorgängertitel macht, aber im Gesamtpaket keine wirkliche Ohrenfreude aufweist, außer das etwas stärker verzerrte Solo und die etwas abwechslungsreichere Songstrukturierung, die erst am Schluss explodiert. Trotzdem keinesfalls schlecht.

„Am I Demon“ ist ein Song der dann wieder die Parallele zum Metal zieht. Die Beats gehen hoch, das Schlagzeug und das Riffing schlagen einen etwas härteren Ton an – der Titel ist für diese Dekade kein Highlight und wird vom folgenden Song „Mother“ einfach in den Schatten gestellt. Dass sich das Aushängeschild für Danzig bereits auf dem Debüt findet ist vielleicht auch auf seine Erfahrung im Musikbusiness zurückzuführen. Mit dem Sound haben die Kerle wirklich den Zahn der Zeit getroffen und sind mit dem Titel auch stets bei irgendwelchen Multimediaspielen vertreten. Der Song hat was mystisches und scheint seinen Charme auch nicht zu verlieren – 25 Jahre sind ja schon eine Hausnummer.

Da wirkt „Possession“ schon fast wie eine Schlaftablette und reißt in der Albumkonstellation so keinen vom Hocker. Der Titel gehört auch separat nicht zu meinen Lieblingen. Das will ich aber nicht negativ zu Buche halten und betrachte ihn einfach als notwendigen Lückenfüller, denn diesem Titel kann man sicherlich auch etwas abgewinnen.

Tja, da ist es fast Schade, dass „End Of Time“ jetzt auf den ersten Blick nicht gerade die Kohlen aus dem Feuer holt... aber man hört sich so ein Album ja nicht nur einmal an, sondern es bedarf stets mehrerer Durchläufe um sich in ein Album einzufühlen. Und so macht sich die Soundwand irgendwie dann doch bezahlt, denn die Lead- und die Rhythmusgitarre klingen sehr sphärisch und bedrohlich. Gesanglich kann man wieder nichts sagen – entweder man mag ihn oder nicht. Das Solo ist zwar nicht grad spektakulär, aber die klangräumliche Trennung ist für mich ein riesiger Pluspunkt. Dazu servieren die Herren eine sehr gelungene Percussionauswahl, sodass sich dieser Titel, dann schon auch zu einem Hit entwickelt.

Der folgende Titel „The Hunter“ erinnert mich vom Gitarrenrhythmus an "Winter Retreat" von Judas Priest, aber das hat nichts mit geistigem Diebstahl oder ähnlichem zu tun. Auch bei unzähligen anderen Bands kann man Parallelen ziehen. Der Titel rockt gut und lässt mitwippen, aber bleibt nicht so sehr im Kopf.

Und da kommen wir auch schon zum letzten Titel der Danzig – „Evil Thing.“ Der hat meiner Meinung nach noch mal so richtig dicke Nüsse. Die Gitarrenspur ist schon so „geil“, dass man mit dem Kopf wackelt -  aber der Hammer ist dann noch der Gesang! Das ist schon nahe am R&B, da geht das Herz in Flammen auf, denn hier steppt ein letztes Mal der Bär!

Ich bin zufrieden und genieße ein weiteres Mal die Highlights des Albums.
Danke fürs Lesen und...

...bis bald, sagt der Ron!
  
Hörtipps: Not Of  This World, She Rides, Mother, Evil Thing

Bewertung: 8,5 von 10 Punkten

Tracklist:
01. Twist Of Cain
02. Not Of  This World
03. She Rides
04. Soul On Fire
05. Am I Demon
06. Mother
07. Possession
08. End Of Time
09. The Hunter
10. Evil Thing



Besetzung:
Vocals:                                     Glenn Danzig
Bass:                                        Eerie Von
Leadguitar:                               John Christ
Drums:                                     Chuck Biscuits

Donnerstag, 7. Februar 2013

Podcast: Album des Jahres 2012

Ep 9 als Video zum Album des Jahres 2012.
Vielen Dank an die Schmiede in Radebeul!

www.schmiede-radebeul.de

Die Platzierungen:

1. Henrik Freischlader Band - House in the Woods
2. Big Bang - Diez tragos
3. Ugly Kid Joe - Stairway To Hell EP

Freitag, 25. Januar 2013

CD-Review: The Joy Formidable - Wolf's Law


Info:
Bandname: The Joy Formidable
Albumname: Wolf's Law
Musikrichtung: Indie/Rock
Erscheinungsjahr: 2013
Label: Atlantic Records
Herkunft: Wales
Facebook: www.facebook.com/thejoyformidable
Website: www.thejoyformidable.com

Und hier haben wir das Album auf das ich schon das ganze Jahr über gewartet habe. Jetzt werden viele sagen: Es ist doch erst Januar! Richtig, und trotzdem...

The Joy Formidable haben mit ihrem Debütalbum „The Big Roar“ gerade in den USA schon mächtig für Wirbel gesorgt. Nun folgt mit „Wolf's Law“ das zweite Album, mit dem die drei Waliser beweisen müssen, ob sie nur eine Eintagsfliege waren oder sich langfristig in der Indie-Szene festspielen werden.

Als erste Single bekam die Welt „This Ladder Is Ours“ auf die Ohren. Typisch für TJF ist hier wieder der relativ mystische Klang durch im Hintergrund mitlaufende Effekte zu hören, der dem Ganzen meiner Meinung nach einen schönen keltischen Anstrich verpasst. Im Gegensatz zu „The Everchanging Spectrum of a Lie“, dem Opener des Debüts, reißt mich dieser Titel sofort mit. Es folgt mit „Cholla“ ein weiterer kraftvoller Rocker, der keineswegs als Lückenfüller herhält, sondern ebenfalls mit einem ausgefeilten Songwriting zu überzeugen weiß.

„Tendons“ weist ein relativ experimentelles Intro auf, bei dem man sich anfangs nicht wirklich sicher ist, ob es sich dabei um den Bass handelt oder eine verzerrte Stimme. Der Song an sich nimmt die anfängliche Intensität des Albums heraus, was allerdings angesichts der folgenden zwei Rocker „Little Blimp“ und „Bats“ ganz gelegen kommt. Ersterer schlägt gleich schon im Intro ein ganz anderes Tempo an und geht vom mitstampfenden Schlagzeug in einen der rockigsten TJF-Songs über die ich kenne. „Bats“ hingegen ist nicht nur vom Rhythmus her stark rockig, denn hier kommt die Band gerade durch die starke Verzerrung der Gitarre an Klänge heran, die jedem frühen Smashing-Pumpkins-Fan nostalgische Tränen in die Augen treiben würde. Der Refrain ist so intensiv, dass er sich jetzt schon über Tage hinweg in meinem Kopf festgesetzt hat.

Aber auch mit „Silent Treatment“ bestätigt sich die Klasse des Albums erneut. Eine reine Akkustiknummer, getragen von einem gefühlvollen Gitarrenspiel und einem unglaublich gut dazu passenden Gesang. Dieser Song ist definitiv einer der emotionalsten auf dem Album und ergänzt das Album optimal. Mit dem „Maw Maw Song“ bekommt man wieder etwas experimentelleres Songgut geboten. Von chinesischen Einflüssen im Intro bis hin zu einem Solo gegen Ende des Liedes, das durch seine Effektspielerei leicht an Neil Young erinnern lässt. Ein Kandidat für die Nachfolge von „Whirring“, dem Hit des Debütalbums, und ein absolut wünschenswerter Titel für die kommende Tour.

„Forest Serenade“ ist eine Nummer, die ich mir auch ganz gut auf der ersten Scheibe hätte vorstellen können, der mich aber auch an dieser Stelle mit seinem mitreißenden Rhythmus überzeugen kann. Es folgt mit dem Klavierintro zu „The Leopard and the Lung“ wieder auf den ersten Blick ein etwas experimentellerer Ansatz, der aber schon kurz darauf mit der mächtigen Gitarrenwand zerstört wird. Zwar kehrt das Klavier im Laufe des Songs noch einmal zurück und es gibt auch orchestrale Einspieler zu hören, doch der Song an sich ist stark gitarrenorientiert. Dies gilt im Gegensatz zum Debüt, bei dem der Klangfokus eher auf dem Gesang von Sängerin Ritzy Bryan lag, für alle Titel auf „Wolf's Law“.

„The Hurdle“ bietet ein ähnliches Intro wie „Little Blimp“ und der Song geht auch hier in eine ähnliche Richtung. Ruhe und Unruhe, Stille und Intensität geben sich hier anfangs permanent die Hand, bevor dann ungefähr ab Mitte der Nummer endgültig die Unruhe den Sieg einfährt und am Ende doch noch abrupt von der Stille übermannt wird. „The Turnaround“ bietet einen absolut würdigen Abschluss für das mittlerweile schon im Warenkorb befindliche Album. Eine Ballade mit leichtem 70er-Jahre-Anstrich, die sich ebenso wie der Refrain aus „Bats“ eine Dauerfahrkarte in meinen Ohren gesichert hat. Und allen, die das Album schon etwas länger erwarteten und vor wenigen Wochen den ersten Vorgeschmack mit dem Song „Wolf's Law“ erhalten haben und jetzt fragend auf die Tracklist schauen, sei gesagt: Keine Angst, "The Turnaround" ist nicht umsonst 9:34 Minuten lang.

Fazit: Wenn es vor 2000 Jahren schon Rockmusik gegeben hätte, dann hätte sich die keltische Variante definitiv so angehört! Die Band hat berechtigterweise ihren Status der Eintagsfliege ablegen dürfen. Zwar mag es einigen ein Dorn im Auge sein, dass sich die Produktion hier nicht mehr so stark um den Gesang dreht wie noch auf der ersten Platte, doch das ausgefeilte und weiterentwickelte Songwriting und die ausgewogene Songauswahl überzeugen mich dann doch mehr als die Änderungen in der Aufnahmetechnik.

Hörtipps: Alle! Aber besonders: „This Ladder Is Ours“, „Bats“, „Silent Treatment“, „Maw Maw Song“

Bewertung: 10 von 10 Punkten

Tracklist:
1. This Ladder Is Ours
2. Cholla
3. Tendons
4. Little Blimp
5. Bats
6. Silent Treatment
7. Maw Maw Song
8. Forest Serenade
9. The Leopard and the Lung
10. The Hurdle
11. The Turnaround

Besetzung:
Gesang/Gitarre: Ritzy Bryan
Bass:                 Rhydian Dafydd
Schlagzeug:       Matt Thomas


Sonntag, 20. Januar 2013

CD-Review: As I Lay Dying - Awakened


Bandname: As I Lay Dying
Albumname: Awakened
Musikrichtung: Metalcore
Erscheinungsjahr: 2012
Label: Metal Blade Records
Herkunft: USA
Facebook: http://www.facebook.com/asilaydying
Website: http://www.asilaydying.com/


Da haben sich doch tatsächlich die Väter des klassischen Metalcore mal wieder mit einem neuen Album an die Szene gewandt. Nach dem letzten Album "The Powerless Rise" nun also "Awakened". Da ich mir den Vorgänger schon länger nicht mehr angehört hatte (wahrscheinlich war er mir im Laufe der Zeit etwas zu langweilig geworden), musste ich mich schnell noch kurz mit dem Klang der Scheibe vertraut machen, bevor ich in der Lage war, ein Review zu schreiben, dass New Rock Reviews auch tatsächlich gerecht werden konnte.

Zu allererst meldet sich bei "Cauterize" Tim Lambesis zu Wort. Und zwar so, dass man sich relativ schnell davon überzeugen lässt, ihm würde entweder die derzeitige Finanzkrise stark gegen den Strich gehen oder seine Bandmitglieder wären ihm aus Versehen mit dem Tourbus über den kleinen Zeh gefahren. Vermutlich ist die ganze Band ziemlich verärgert über den jeweiligen Hintergrund dieses Urschreis, denn die ganze Strophe über wird munter drauf losgeprügelt. Da die weiblichen Fans allerdings nicht gerne prügeln, kommt auch bald schon der für As I Lay Dying typische gesangsorientierte Mädchenrefrain. Es folgt mit "A Greater Foundation" ein Song, dessen progressiver Rhythmus am Anfang mich doch stark an die amerikanischen Landsleute von August Burns Red erinnerte. Bis zum Refrain war ich auch sehr überzeugt von dem ganzen Gebilde, das sogar mit Gangshouts in der Bridge daherkam, allerdings war besagter Chorus wieder einmal viel zu soft. Zwar wurde das Ganze mit dem Breakdown ausgeglichen, aber trotzdem verlieren AILD durch die Refrains immer wieder an Punkten.

"Resilience" ist für mich einer der Lückenfüller auf dem Album. Zwar hat man schön viel Thrash, leichte Mathcore-Anleihen und tatsächlich mal einen relativ guten Refrain, doch besonders vom Sessel reißt mich der Song nicht. Auch "Wasted Words" haut mich nicht direkt um, doch das sieht bei "Whispering Silence" dann doch schon etwas anders aus. Man merkt, dass das Album nach seinem leichten Winterschlaf doch wieder an Fahrt gewinnt und sogar der Gesang klingt hier mal etwas rockiger als sonst.

Mit "Overcome" folgt mein absoluter Favorit des Albums. Ein ruhiges Intro (wenn auch stark an Metallica's "Fade to Black" erinnernd) gibt einem die kurze Zeit zum Luftholen. Die ist auch nötig, denn das brutale Strophenriff lässt einem keine Chance. Selbst der Refrain hält sich knapp und der Breakdown schlägt einem dann letztendlich wirklich das letzte Sauerstoffatom aus der Lunge. Dazu sage ich nur: 45 Minuten. Ist das zu viel verlangt? Anscheinend schon, denn mit "No Lungs to Breathe" folgt der nächste Lückenfüller, der zwar wieder ein progressives ABR-Intro vorweisen kann, allerdings weiter nicht überzeugt.

"Defender" lässt die 45 Minuten kurz wieder aufleben. Unüblich ist die gesungene Strophe, die mich hier aber tatsächlich nicht einmal stört, denn der zweite Hammer-Breakdown kommt gleich zweimal im Song (Uh-yeah-heah). Allerdings ist das Ende etwas abgehackt. Das hätte ich mir nach "Defender" auch für das Album gewünscht. Mit "Washed Away" folgt ein einminütiges, mystisch und melancholisch klingendes Instrumental, welches von "My Only Home" abgelöst wird, der wiederum ebenso gut auf einer Glamour of the Kill- oder Bring me the Horizon-Platte Platz finden könnte. Nette Strophe, Breakdown ganz nett, Refrain zu schnulzig und dadurch im gesamten Song leider zu viel Herzschmerz. Wie der Name des letzten Titels "Tear Out My Eyes" (hat da etwa Matt Tuck nachgeholfen?) vermuten lässt, ändert sich das auch hier nicht mehr. Und man liegt auch hier richtig. Leider ein relativ schwacher Abschluss des Albums.

Fazit: Meiner Meinung nach ist "Awakened" zwar immer noch besser als sein Vorgänger, jedoch sehe ich bei AILD immer noch mehr Potential. Das Songwriting ist alles in allem sehr durchsichtig (zweimal Wechsel zwischen Strophe und Refrain, dann der Breakdown bzw. das Interlude/Solo und zum Schluss nochmal der Refrain). Das Album baut mir am Anfang zu schnell ab, nimmt dann zwar in der Mitte nochmal Fahrt auf, aber die beiden letzten Songs sind dann doch etwas zu viel für gute 8 Punkte. Allerdings trotzdem ein ganz gutes Album zum nebenbei Hören.

Hörtipps: "Cauterize", "Whispering Silence", "Overcome", "Defender"

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Tracklist
1. Cauterize
2. A Greater Foundation
3. Resilience
4. Wasted Words
5. Whispering Silence
6. Overcome
7. No Lungs to Breathe
8. Defender
9. Washed Away
10. My Only Home
11. Tear Out My Eyes

Besetzung

Vocals:       Tim Lambesis
Gitarre:       Nick Hipa
Gitarre:       Phil Sgrosso
Bass:           Josh Gilbert
Schlagzeug: Jordan Mancino


Sonntag, 13. Januar 2013

Podcast: Phia - Live in Berlin

Der 7. Podcast zum Livemitschnitt von Phia, Live in Berlin.
Sphärischer, moderner Pop mit einer Kalimba!

Donnerstag, 3. Januar 2013

Happy New Year 2013

Auch wir von New Rock Reviews wünschen allen noch ein leicht verspätetes frohes neues und musikalisch hoffentlich vielversprechendes Jahr 2013. Dieses Jahr gibt es die Wahl zum Album des Jahres 2012, die spätestens im Februar hier veröffentlicht wird. Wir haben uns schon mal voller Vorfreude in unseren Keller eingesperrt, um unseren Favoriten des letzten Jahres zu küren.
Weiterhin wünschen wir euch natürlich weiterhin viel Spaß auf der Seite und freuen uns natürlich wie immer über Feedback, Kommentare und Zusendungen.

Grüße,
Dan, Tony und Ron

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Classic-Review: Neil Young & Crazy Horse - Life



Info
Bandname: Neil Young & Crazy Horse
Albumname: Life
Musikrichtung: Rock
Erscheinungsjahr: 1987
Label: Geffen
Herkunft: Kanada

Ich begrüße alle Leser recht herzlich zu einem neuen/alten Rock Classics Review!
Als heutiges Schmankerl hab ich mir zum 25jährigen Jubiläum das Life Album von Captain Young und seinen singenden Rossen herangezogen. Zur Bewertungsfindung stand mir ein Plattenspieler von Sony und die LP von 1987 in guter Qualität zur Seite.
Ich will nicht lange um den heißen Brei reden, deshalb geht es auch gleich los.

Das Album startet mit dem Opener – wie immer.  Aber was sich Mister Young hier geleistet hat ist für mich Massenhypnose auf höchstem Niveau! „Mideast Vacation“ schimpft sich das erste Tralala der Platte und basiert auf einer Effektwelle sondersgleichen. Textlich lässt sich hier natürlich schon am Titel erahnen, dass hier wieder gegen das Regime der USA gewettert wird, aber dass man das auch noch so sphärisch verpacken kann, hätte ich nieeeeeeee gedacht. Aber Neil Young versteift sich ja auch selten in absoluter Ernsthaftigkeit und liefert mit der Textzeile: „[...]I was Rambo in the disco, I was shootin´ to the beat [...]“ eine Phrase die zum Schmunzeln und Nachdenken gleichermaßen anregt.
Es sei aber gesagt, dass trotz des modernen Klanges der Effekte sein Grunge nicht weniger erwähnenswert ist. Spätestens beim Solo weiß jeder um welchen Musiker es sich handelt und das ist auch genau das, was diesen Titel für mich so unwiderstehlich macht! GENIAL!

Es folgt ein anmutig, leichtes Klaviersspiel (Keyboardspiel, ist vielleicht die treffende Bezeichnung – typisch für 80er) mit einem sehr Neil Young typischen Mundharmonikaintro – „Long Walk Home“. Einfach schön, wie man sich tragen lassen kann; und das nur von der Melodie. Textschreiberisch hat sich Neil Young wieder nicht die Blöße gegeben und er erhebt in Wortform erneut den Mittelfinger in Richtung der Nordamerikanischen Regierung. Untermalt wird dies durch Kanonenschüsse vorm Refrain. Auch sehr schön umgesetzt, aber nicht so hypnotisch wie der erste Brenner.

Gleich im Anschluss rechnet Young noch eben mit der Kurzlebigkeit der Gesellschaft und der Weltordnung ab. „Around the World” vermittelt den Sound eines Hippiefestivals, wahrscheinlich hat er den billigsten Fischerprice Recorder mit Delay gekauft, um die Gesangsspur so aufzunehmen. Er ist eben ein „Revoluzer“ und das drückt er auch mit der Musik aus. Der eigentliche Leberhaken kommt aber beim Refrain, bei welchem ich stets einen 1A Robodance hinblättern muss - „Fashion change...(Synthiegedudel)...Stylechange...(Synthiegedudel)...Haaaaaaaa...“ Das ist einfach nur zu gut, um wahr zu sein! Alle Instrumente sind richtig toll aufeinander abgestimmt, da stimmt eben die Chemie. Das ist aber so eine typische Neil Young & Crazy Horse Eigenart – Symbiotisch!

Und da kommen wir auch schon zum Ende der ersten Seite. Die Abschlussformation nennt sich „Inca Queen“ und bewegt sich textlich eher auf gleicher Ebene mit „After The Gold Rush“. Da ist kein Bezug zur Realität, aber man wird metaphorisch durch das Songgestrüpp geführt und das soll nicht negativ ausgelegt werden. Das ist nämlich ein sehr schöner Titel. Schwebend, leicht bekömmlich und unendliche Spielfreude. Auch mit reichlich Effekten beladen; charakteristisch für das bisher gehörte. Der Titel rundet die erste Seite perfekt ab und ist mit 8min auch nicht für zu lang empfunden – meinerseits jedenfalls.


Oooooookay, wir haben uns kurz regeneriert, die Schallplattennadel hat das Ende der ersten Seite erreicht und es bleibt ein recht abwechslungsreicher Nachgeschmack mit eher sphärischen Klängen und einem weiterhin erhobenem Mittelfinger in Puncto Regierung, Weltordnung und Gesellschaft. Wer bis jetzt kein Bier geöffnet hat, sollte sich wenigstens eins bereitstellen; oder von mir aus auch einen Saft (ich will ja keinem das Biertrinken vorschreiben). Und man kann auch schon einige Gegenstände wie Tische und Stühle beiseite räumen, denn es geht gleich rund!
Ich drehe die Platte um und drücke die Playtaste des Plattenspielers. Es wird aber auch Zeit: „Too Lonely“ lässt mit einfacher Akkordfolge einen richtigen Standardrocker heraushängen, aber mit den Gangshouts hat der Titel soviel Power, dass es einem sofort die Gliedmaßen elektrisiert! Wildes Stampfen und windmühlenartiges Luftgitarrespielen inbegriffen. Ich bin auch ehrlich: das ist sicherlich nicht der Song, der in die Rockgeschichte eingeht, aber das Ding macht soviel Laune, dass man die Scheibe definitiv weiterhört. Kein großes Geplänkel, sondern straight Rock´n´Roll. Textlich hat der Song natürlich auch einige Hingucker – Beispiel: „[...]i´ve got a fast car, and a strong arm – too lonely to fall in love“  Interpretationen sind hier natürlich strengstens erwünscht.

Da auf der ersten Seite politisch schon ordentlich aufgeräumt wurde folgt nun die Ernüchterung für die Plattenfirmen. „Prisoners of Rock´n´Roll” ist ein Song wie es ihn schon zu Hauf gibt, da beißt die Maus keinen Faden ab, aber eins ist sicher: einen Refrain zu verzapfen, der ironischer Weise eher auf die eigene Unfähigkeit schließt, das ist Rock – „that´s why we don´t wanna be good“.
„We don´t wanna be watered down, takin´ orders from record company clowns“, super, und die Gesangsrhythmik umschmeichelt den Text natürlich bestens.
Trotzdem wieder kein Rocker für die Ewigkeit.

„Cryin´ Eyes“ ist wieder ein Stampfer, aber ohne größere Lichtblicke. Die Basslinie ist eingängig und einfach, die Backing Vocals lassen den Refrain auch nach dem 20 Bier noch mitreißend klingen. Ein Brüller, wenn man den Song genauer betrachtet, aber leider plätschert er nur kurz dahin und gibt ein den Schuss zur Kehrtwende des Albums.

Wie es sich erahnen ließ kommt  mit „when your lonely heart breaks“ ein Song der das Herz mit Bitterkeit umspült und tief in die Eingeweide drückt. Schade, dass man gerade so in Rocklaune ist, denn der Song hat eigentlich richtig was zu bieten. Der ist vom Songwriting her wieder ein etwas anspruchsvoller und vom Text her... da lässt sich Niveau nicht abstreiten. Der Song geht an der Stelle aber unter, da man sich schlecht auf den Text konzentrieren kann, und verleitet bei der CD sicherlich zum Überspringen. BITTE DIESEN TITEL LAUFEN LASSEN. Das kann ich nur empfehlen. Thematik ist klar. Da sollte man mit Feingefühl herangehen.

Abschließend läuft da noch „we never danced“. Was soll ich zu diesem Titel sagen? Irgendwie ist der dann doch ein Rausschmeißer. Sicherlich ist so ein Titel auch nicht ohne Grund entstanden, aber im Refrain hat man das Gefühl von einem mit Wein bekleckertem, volltrunkenem Gondoliere durch die stinkenden Fleete Venedigs geschippert zu werden. Ein bisschen zu schnulzig für mich, aber Fans der Flippers können diesem Titel sicher etwas abgewinnen.

Fazit: Ich denke, dass wir es hier mit einem großartigem Album zu tun haben. Sicherlich nicht nur zum nebenbei anhören, sondern eher etwas für gespannte Zuhörer. Das Album passt in die Dekade und macht trotzdem wahnsinnig Spaß. Der eine oder andere Song ist Zeitlos und sollte mit mehr Beachtung bedacht werden.
Ich höre mir das Album noch weitere Male an, da es mich nach wie vor festhält und das wird sich so schnell nicht ändern!

Vielen Dank und bis bald,

sagt der Ron!

Hörtipps:
Mideast Vacation
Around The World
Too Lonely
When Your Lonely Heart Breaks

Bewertung: 8,5 von 10 Punkten

Tracklist:
01. Mideast Vacation
02. Long Walk Home
03. Around The World
04. Inca Queen
05. Too Lonely
06. Prisoners of Rock´n´Roll
07. Cryin´ Eyes
08. When Your Lonely Heart Breaks
09. We never Danced

Besetzung:
Vocals, Guitar, Harmonica:     Neil Young
Bass:                                         Billy Talbot
Guitar/Keyboards:                   Frank Sampedro
Drums:                                      Ralph Molina

Montag, 24. Dezember 2012

CD-Review: August Burns Red - August Burns Red Presents: Sleddin' Hill - A Holiday Album

Weihnachtsspecial



Info
Bandname: August Burns Red
Albumname: August Burns Red Presents: Selddin’ Hill – A Holiday Album
Musikrichtung: Metalcore
Erscheinungsjahr: 2012
Label: Solid State
Herkunft: USA
Facebook: http://www.facebook.com/augustburnsred?fref=ts
Website: http://www.augustburnsred.com/

Pünktlich zu Heiligabend haben wir uns spontan noch dazu entschieden, das neueste Werk der amerikanischen Metalcore-Band August Burns Red vorzustellen. Dabei handelt es sich um ein weihnachtliches Cover-Album, das jeder besitzen sollte, der fröhlich zu weihnachtlichen Kinder- oder Kirchenliedern um den Weihnachtsbaum moshen will.

Die Scheibe beginnt mit dem Song „Flurries“, Piano und weihnachtliche Klänge inklusive, bevor es dann punkig in die Vollen geht. Die Gitarren sind typisch für August Burns Red sehr melodiös und irgendwie schaffen es die Jungs sogar, einen Breakdown und Soli einzubauen. Auf „Flurries“ folgt das bekannte „Frosty the Snowman“ mit einer kräftigen Leadgitarre und Death-Metal-Einflüssen (siehe Blast-Beats). Trotz aller Metaleinflüsse kommt auch in diesem Song wieder ein weihnachtlicher Klang durch.

Es folgt Leroy Andersons „Sleigh Ride“, weithin bekannt als Jazz- Stück. August Burns Red zaubern hier mit starken Punk-Einflüssen einen Song, der sich absolut sehen lassen kann und sogar im Mittelteil mit einer kleinen Jazzpassage Tribut an das Original zahlt. Auf diesen kleinen Ausflug in die Welt des Jazz folgt ein englisches Traditional namens „God Rest Ye Merry Gentlemen“. Auch hier werden einem wieder die kalten Ohren warm gespielt und spätestens beim Breakdown und dem kurz darauf folgenden Solo fliegt dann auch der erste Glühwein durch die Gegend.

Selbst vor dem bekanntesten englischsprachigen Weihnachtslied schreckt die Band nicht zurück. Heraus kommt die wahrscheinlich beste „Jingle Bells“-Version, die ich je gehört habe. Eine tragende Lead- und mächtige Rhythmusgitarre sorgen dafür, dass ich mich nach dem Ende des Songs frage wie es mein Weihnachtsbaum geschafft hat, nicht komplett als Kleinholz vor meinen Füßen zu liegen. Man könnte jetzt denken, danach lässt es die Band mit dem 1847 komponierten Weihnachtslied „Oh Holy Night“ etwas ruhiger angehen, aber auch hier bekommt man nach einer kleineren Ruhepause vollkommen unerwartet wieder eine Gitarrenwand um die Ohren geschlagen, dass man den Weihnachtsmann gleich mit zum Moshen einlädt.

Auf diesen Song folgt ein weiteres weltberühmtes Weihnachtslied. „Rudolph the Red Nosed Reindeer“ ist der einzige Song auf dem gesamten Album, auf dem man auch mal ein wenig Gesang in Form von Gangshouts zu hören bekommt. Es folgt eine kleine Tour durch das weihnachtliche Texas, zumindest kann ich mir vorstellen, wie diese Version von „Sleddin‘ Hill“ am Anfang von kleinen, bärtigen Farmern gespielt wird. Ich höre Akustikgitarren und Banjos. Sehr interessant, dass eine Metalcore-Band überhaupt weiß, dass es solche Instrumente auch noch gibt.

„Little Drummer Boy“ dürfte dann auch wieder für die deutschsprachigen Hörer ein bekannter Song sein. Hier bekommt man tatsächlich mal eine Ruhepause gegönnt (zumindest vom Rhythmus her). Vielleicht hätte man daraus auch eine kleine Akustiknummer machen können. Auch „Winter Wonderland“ ist wieder einer der in Deutschland bekannteren Songs. Wieder hört man starke Punk-Einflüsse und bekommt auch ein nettes Solo geboten.

Auf diesen Song folgt eine Nummer, die die Band schon 2010 als Weihnachtsspecial veröffentlicht hatte. „O Come O Come Emmanuel“ ist ein kirchliches Weihnachtslied, das wohl auf das 12. Jahrhundert zurückgeführt werden kann. In diesem Song ist das absolute Highlight der stark stakkatoartige Breakdown gegen Ende, bei dem der Weihnachtsmann diesmal einen selbst zum Moshen einlädt. Es folgt der Song, dem wir dieses Weihnachtsalbum wahrscheinlich zu verdanken haben. 2008 hatten sich die Jungs dazu entschlossen, „Carol of the Bells“ live zu spielen und der Erfolg war so groß, dass von da an jedes Jahr ein Song folgte und dieses Jahr in diesem Album mündet. Für das Album haben ABR den Song leicht abgewandelt und mir gefällt er so auch ehrlich gesagt besser.

Abgerundet wird das Album mit „We Wish You a Merry Christmas“, der mal wieder zeigt, wie ungewöhnlich August Burns Red sein können. Einen bayerischen Marsch, der sich in mexikanischen Klangeinflüssen auflöst? Warum sind nicht andere schon auf diese Idee gekommen? Wahrscheinlich zu verrückt. Wahrscheinlich zu sehr August Burns Red.

Tracklist:
1. Flurries
2. Frosty the Snowman
3. Sleigh Ride
4. God Rest Ye Merry Gentlemen
5. Jingle Bells
6. Oh Holy Night
7. Rudolph the Red Nosed Reindeer
8. Sleddin’ Hill
9. Little Drummer Boy
10. Winter Wonderland
11. O Come O Come Emmanuel
12. Carol of the Bells
13. We Wish You a Merry Christmas

Besetzung:
Gesang:          Jacob Luhrs
Gitarre:           JB Brubaker
Gitarre:           Brent Rambler
Bass:              Dustin Davidson
Schlagzeug:    Matt Greiner


Sonntag, 23. Dezember 2012

CD-Review: Eldorado - Antigravity Sound Machine



Info
Bandname: Eldorado
Albumname: Antygravity Sound Machine
Musikrichtung: Rock, Hard Rock
Erscheinungsjahr: 2012
Label: Bad Reputation
Herkunft: Spanien
Myspace: http://www.myspace.com/eldoradorockband
Website: http://www.eldoradorockband.com/

Spanien rockt! Nicht erst seit den Big Bang-Reviews sollte euch aufgefallen sein, dass New Rock Reviews eine leichte Tendenz Richtung Spanien aufweisen kann. Vor kurzem haben wir die neue Scheibe der Madrilenen von Eldorado in die Finger bekommen und diesmal war es uns sogar möglich, die Texte zu verstehen!

Eins vorweg: Ich persönlich hatte nicht erwartet, dass es eine spanische Band gibt, die so rockig sein kann, wie es die britischen 70er-Jahre-Bands waren. Bei Eldorado wird man da eines besseren belehrt. Schon der Opener „Maybe Forever“ überrascht mit einem Bass-Intro, dass den Bassisten dieser Welt wahrscheinlich schon nach den ersten fünf Sekunden historische Freudentränen in die Augen schießen lässt. Danach wird sofort deutlich: die Haupteinflüsse dieser Band sind eindeutig Led Zeppelin, Deep Purple und auch Black Sabbath und die Stärke des Einflusses variiert von Song zu Song. „Mr. Saturn“ erinnert mich besonders in der Strophe stark an Steppenwolf’s „Born to be Wild“ und endet in einem überraschenden Thrash-Lick.

Danach ist es Zeit für den ersten ruhigeren Song. „Like a Lost Child“ beginnt sehr sphärisch und wird dann stark Deep-Purple-lastig bis man dann im mittleren Teil sogar ein wenig Guns’n’Roses erkennen kann. Es folgt das absolute Highlight der Scheibe mit „Another Bright Sunday“. Hier bekommt man auf eine Art härteres Led Zeppelin Songgut geboten, was man speziell im mittleren Teil durch die psychedelische Gesangspassage des Sängers Jesus Trujillo nicht mehr verneinen kann. Diese Passage mündet in einer sehr kraftvollen Pantera-Hommage mit Slide-Gitarre, bevor es dann wieder in die Ausgangsstruktur des Songs zurück geht. Dieser Song wird die Grundlage für alle anderen Songs auf dem Album bilden müssen.

„Searching for Light“ kann mit seinem Rock’n’Roll-beeinflussten und an Volbeat erinnernden Riff jeden von den Sesseln reißen, sodass man danach zuerst sehr erfreut ist, dass man endlich mit der ersten echten Ballade des Albums, „A Farewell to November“, entspannt wieder auf die Sitzpolster fallen kann. Hier allerdings bekommt man ein wenig das Gefühl, dass Eldorado zu sehr versuchen, eine Ballade zu schreiben, die überzeugen soll und daher meines Erachtens mit zu viel Pathos beladen ist. Ein erster negativer Punkt auf dem Album.

Mit „Background Radiation“ machen sich die Spanier auch nicht unbedingt einen Gefallen. Der ohnehin schon unüberhörbare Led-Zeppelin-Einfluss wird hier noch bestärkt durch einen Song, der sich ganz stark nach „Gallow’s Pole“ anhört. Man könnte beide Songs quasi hintereinander laufen lassen und es würde kaum ein Unterschied auffallen. Leider wieder ein negativer Punkt, der allerdings von einem überraschenden „Space Mambo“ abgelöst wird, der mit seinem tollen Groove doch wieder den Trend nach oben zeigen lässt.

Aber auch nach „Space Mambo“ wird man wieder stark ausgebremst und von „Kassandra“ mit brachialer Gewalt über die Wange gestreichelt. Eine Rock-Ballade ist der Song schon, aber irgendwie mit viel zu viel Schmalz und Pathos beladen. Vielleicht liegt es ja in der Natur der Spanier, alles etwas emotionaler zu singen, aber für den deutschen Hörer ist es zu viel. Das folgende „Paranormal Circus“ ist für mich mit weitem Abstand zu „Another Bright Sunday“ das zweite Highlight des Albums. Eine Halbballade mit einer klassischen Rocklänge (6:51), starkem Deep-Purple-Einfluss und einem überzeugend rockigen Abschluss. Der Song war nicht von Anfang an auf meiner Liste, aber er wächst definitiv. Einziger Mangel: Nach dem mit Pathos strotzendem „Kassandra“ ist der ruhige Beginn wahrscheinlich etwas fehl am Platz und hätte weggelassen werden können. Gerade mit Hinblick auf den Rest der Platte…

Dieser bekommt mit „Lady of the Mountain“ noch einmal einen ganz anderen Anstrich. Wieder eine Ballade, aber doch sehr keltisch anmutend mit einem schönen Text, aber doch wieder zu viel Herzschmerz im Fade-Out. Das (positive) Highlight unter den Balladen setzt dann „Blue Jay Wings“, eine reine Akustiknummer und ein theoretisch sehr schöner Abschluss, wenn das Album nicht am Ende generell sehr ruhig geworden wäre.

Alles in allem ist „Antigravity Sound Machine“ ein schönes, rockiges Album mit vielen klassischen Rockeinflüssen, das aber trotzdem zumindest teilweise erfolgreich einen eigenen Stil heraus schimmern lässt. Durch die Balladen und den damit verbundenen Depressionen für mich, muss ich allerdings doch ein paar Punkte abziehen.

Hörtipps: „Another Bright Sunday“(!!!), „Space Mambo“, „Paranormal Circus“, „Blue Jay Wings“

Bewertung 7,5 von 10 Punkten

Tracklist:
1. Maybe Forever
2. Mr. Saturn
3. Like a Lost Child
4. Another Bright Sunday
5. Searching for Light
6. A Farewell to November
7. Background Radiation
8. Space Mambo
9. Kassandra
10. Paranormal Circus
11. Lady of the Mountain
12. Blue Jay Wings


Besetzung:
Gesang:           Jesus Trujillo
Gitarre:            Andres Duende
Bass:               Cesar Sanchez
Schlagzeug:     Javier Planelles